Bauch und Kopf kommunizieren über die Darm-Hirn-Achse

Comic Zeichnung Frau Ärztin mit Stethoskop über ihr eine Sprechblase mit dem Satz: Vermutlich liegt es am Stress. Rahmen und Sprechblase sind grün.

 

Wenn der Arzt mit seinem Latein am Ende ist, dann heißt es: "Vermutlich liegt es am Stress!" oder "Das ist alles nervlich bedingt!".

 

Wenn du dann nach hause gehst und verkündest: "Der Arzt meint, es liegt am Stress!", dann gehen die Diskussionen los.

 

"Wo hast du denn Stress?", "Ich sag ja schon die ganze Zeit, dass du kürzer treten sollst!" und "Ja, du bist ja auch ziemlich empfindlich!".

 

Mich persönlich hat in der Konsequenz die Feststellung: "Siehste, ist vermutlich alles Kopfsache, du denkst zu viel nach!" am meisten getroffen. 

 


Ich habe nie bezweifelt, dass die Aussage des Arztes falsch war. Nein, im Gegenteil, er hatte Recht. Heute weiß ich, dass Stress viele Gesichter hat, und ich kann sowohl den westlichen Ansatz zum Thema Stress und Darm gut nachvollziehen, als auch den der alten Chinesen. 

 

Nur hat es mir damals keiner richtig erklärt. 

 

Ich habe mich deshalb für sehr empfindlich gehalten. War ich doch nur als geringfügig Beschäftigte berufstätig und zog sozusagen hauptberuflich meine beiden Kinder groß. 

 

Wo bitteschön hatte ich da Stress? 

 

Aber Stress hat nicht nur etwas mit vielen Terminen und wenig Zeit zu tun. Stress entsteht durch so viele verschiedene Auslöser, dass es auch hier wieder bei jedem Menschen ganz individuell zu schauen gilt. 

 

Ich habe in der Traditionellen chinesischen Medizin eine sehr schöne Erklärung gefunden, warum Stress uns schadet. Bevor ich auf die Darm-Hirn-Achse eingehe, möchte ich dir diese Erklärung nicht vorenthalten.

 

Die alten Chinesen sagen: "Stress verursacht Hitze!"

Bei den alten Chinesen ist ein Mensch dann gesund und fühlt sich in seinem Körper wohl, wenn seine Energien ausgewogen sind. 

 

Was genau ist damit gemeint?

 

Bestimmt kennst du dieses Symbol:

Frau Comic schwarz weiß zeigt auf Yin Yang Zeichen, Grafik grün umrandet

 

Der Kreis steht als Symbol für Ganzheit. Er wird durch eine geschwungene Linie in zwei Hälften geteilt, eine schwarze und eine weiße. In jeder Hälfte befindet sich ein Punkt der anderen.

 

Mit diesem Bild möchte ich dir nun ganz traditionell Yin und Yang erklären, und dir zeigen, warum Stress nicht nur deinen Darm aus der Balance bringt.

 

Die schwarze Seite ist das Yin. Yin ist dunkel, kalt und ruhig. Yang, die weiße Seite, ist hell, warm und lebendig.

 

Yin und Yang sind sozusagen Gegensatzpaare:

Winter und Sommer, Tag und Nacht, Mond und Sonne, Ruhe und Aktivität, Wasser und Feuer.

 


Yin und Yang sind wie die zwei Seiten einer Münze. Die eine Seite gibt es nicht ohne die andere.

 

Deshalb ist auch nicht eine Seite besser als die andere. Es geht nicht um richtig und falsch, gut und böse oder wertvoll und unnütz.

 

Die alten Chinesen sagen, dass ein Mensch sich dann gut fühlt, wenn Yin und Yang im Gleichgewicht sind, wenn diese beiden Seiten also, um auf die Grafik einzugehen, das gleiche Volumen haben. 

 

Unsere westliche Lebensweise hat eine starke Yang-Betonung. Wir sind immer in Bewegung, arbeiten an drei Projekten gleichzeitig und Multitasking ist eine hoch geschätzte Fähigkeit. 

 

Yin-Aspekte wie Ruhe, Entspannung, ausreichend Schlaf und Erholung sind ein notwendiges Übel, und werden gerne auf ein Minimum zugunsten der Aktivität reduziert. 

 

Jetzt stell dir einmal vor, wie sich die Flächen im Symbol verändern, wenn du ständig unterwegs bist, du Stress auf der Arbeit hast, du mit deiner besten Freundin streitest oder dich über deinen Partner ärgerst. 

 

Richtig, die weiße Hälfte wird in diesem Fall deutlich größer und die schwarze Hälfte deutlich kleiner. 

 

Als Mensch verlierst du an dieser Stelle dein Gleichgewicht. Deine Energien sind nicht mehr in der Balance. Die alten Chinesen sprechen in diesem Fall davon, dass im Körper Hitze entstanden ist. 

 

Hitze schadet dem Verdauungssystem, deiner Mitte. Wenn du schon einmal vor einer Prüfung oder einem wichtigen Termin sehr aufgeregt (=Hitze) warst, und deshalb häufiger zur Toilette musstest, dann kennst du dieses Phänomen ja schon.

 

Hitze kann man sowohl über Verhaltensänderungen als auch über die Ernährung reduzieren. 

 

Am besten greifen diese Maßnahmen Hand in Hand.

 

Eines noch: Ich weiß, Stress erkennen und abstellen.....das passiert nicht von heute auf morgen.

 

Aber ich kann dir ein paar Verhaltensregeln rund um das Thema Essen mit auf den Weg geben.

 

Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin verdaut der Körper nicht nur Nahrung. 

 

Auch alles, was über unsere Sinne aufgenommen wird, muss verdaut werden. 

 

Im Volksmund heißt es, wenn schlechte Nachrichten überbracht werden: "Das muss ich jetzt erstmal verdauen!".

 

Das bedeutet: Wenn du zum Beispiel vor dem Fernseher isst, dir dabei möglicherweise einen sehr schönen, aber auch aufwühlenden Film anschaust, oder die neuesten, leider schlechten Nachrichten, dann muss deine Mitte nicht nur dein Essen verdauen, sondern auch die über die Augen aufgenommenen Bilder. 

 

Wenn du in der Kantine sitzt und der Geräuschpegel hoch ist, du von rechts und links Gesprächsfetzen mitkriegst, und du dich gleichzeitig auch noch auf die Worte deines Gegenübers konzentrieren musst, dann muss deine Mitte nicht nur dein Essen verdauen, sondern auch das über die Ohren Aufgenommene.

 

Und da sich alle Sinne nun mal nicht trennen lassen und in der Regel alle gleichzeitig arbeiten, muss dein Verdauungssystem ganz schön die Ärmel hochkrempeln. 

8 einfache Tipps, wie du dein Verdauungssystem entlastest

  1. Iss in einer ruhigen Umgebung.
  2. Der Fernseher bleibt am besten ausgeschaltet.
  3. Führe keine Streitgespräche beim Essen.
  4. Besprich auch keine Probleme.
  5. Wenn dir der Familien-Trubel beim gemeinsamen Essen zu viel ist, erlaube dir, alleine zu essen.
  6. Iss nicht unter Zeitdruck. Plane von vorneherein ausreichend Zeit zum essen ein.
  7. Iss nicht zwischen Tür und Angel.
  8. Schaffe eine schöne Atmosphäre, zünde eine Kerze an, oder stelle dir Blumen auf den Tisch.

Ich weiß, dass Essen einem Angst machen kann. Die Sorge die Mahlzeit wieder nicht richtig zu vertragen ist ja meistens mit im Gepäck.

 

Deshalb ängstigt dich vielleicht die Vorstellung ohne Ablenkung zu essen. 

 

Dann leg dir einen schönen Bildband neben den Teller. Oder wähle für den Anfang im Fernsehen einen Film mit schönen Naturaufnahmen oder zaubere dir ein schönes Kaminfeuer auf den Bildschirm.

 

Höre beruhigende und schöne Musik oder Naturgeräusche. 

 

Einen weiteren wichtigen Tipp findest du hier...

Comic Frau mit schwarzen Haaren, Nickelbrille und grünem Pullover isst ein Stück Käse und Denkblasen über ihr zeigen eine Kerze, einen Blumenstrauß, eine Musik Note und Fotos aus einem Urlaub, alles ist grün umrandet

Im Westen wissen wir: Darm und Hirn sind eng miteinander verbunden!

Bis jetzt haben wir darüber gesprochen, dass die Psyche unseren Darm beeinflusst. Tatsächlich funktioniert das auch umgekehrt. Das klingt vermutlich erst einmal etwas merkwürdig. 

 

In den letzten Jahren konnten Wissenschaftler allerdings einen Zusammenhang zwischen unserem zentralen Nervensystem (Gehirn) und dem Darm nachweisen. 

 

Kopf und Bauch kommunizieren miteinander. Das nennt man die Darm-Hirn-Achse. 

 

Nervenbahnen, Hormone, aber auch Stoffwechselprodukte unserer Darmbakterien machen dies möglich. 

 

Vor allen Dingen der Vagus-Nerv fungiert als schnelle Direktverbindung zwischen Kopf und Bauch. 

 

Und der Bauch scheint gesprächig zu sein, 90% der Kommunikation geht von ihm aus. 

 

Vielleicht liegt das daran, dass er tatsächlich eine ganze Menge wahrnimmt. Unser Bauch ist mit einem eigenen Nervensystem ausgestattet. 

 

Hier spricht man vom Bauchhirn. Das Bauchhirn besteht aus rund 100 Millionen Nervenzellen, die in den Darmwänden zu einem Netz verflochten sind. Dieses Nervensystem zieht sich als durchgehendes Netzwerk von der Speiseröhre bis zum Darmausgang.

 

Der Darm ist also unser 2. Gehirn. Er agiert völlig eigenständig: er nimmt wahr, er korrigiert und er lernt.

 

Eigentlich ist diese Erkenntnis gar nicht so neu. Schon im Volksmund heißt es: "Höre auf deinen Bauch!", denn im Bauch sitzt unsere Intuition. 

 

Auf diese Weise beeinflusst unser Darm auch unser Gefühlsleben. Dies schon alleine, weil er ca. 90-95% des Stimmungshormons Serotonin produziert.

 

Also, was auch immer in dir starke Gefühle und Stress auslöst, nimm es wahr und höre auf deinen Bauch. 

 

Wir tragen viele alte Glaubenssätze mit uns herum, wir wollen keinen Ärger haben und wir setzen unsere Messlatte für unsere eigene Leistungsfähigkeit weit oben an, weil wir den anderen nicht nachstehen wollen. Wir verurteilen uns schnell und spielen unsere eigenen Probleme herunter!

 

Wen wir damit täuschen können?

 

Mit Sicherheit nicht unseren Bauch.