Diagnose Reizdarm. 10 Dinge, die du für dich tun kannst.

"Was rumpelt und pumpelt in meinem Bauch herum? Es fühlt sich an, als wären es lauter Wackersteine!"

 

 ...fragt der Wolf aus dem Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“. 

 

Das Gefühl kenne ich.

 

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich morgens aufgewacht bin und das Grummeln in meinem Bauch das nahende Unheil verkündet hat.

 

In den Zimmern nebenan schliefen meine beiden, kleinen Kinder und ich dachte nur, oh nein, wie soll ich mich um sie kümmern?

 

Da half nur noch der Griff zum Telefon und meine Schwiegereltern standen wenig später vor der Tür und für die Kinder hieß es „Oma- und Opa Tag“.

 

Ich selber habe meine Zeit mit einer Wärmflasche verbracht.

 

Mit Fencheltee und Hunger, denn essen ging gar nicht.

 

Hunger bedeutete für mich ein sicheres Gefühl, denn während ich Hunger hatte, hatte ich keine Bauchschmerzen, musste nicht zur Toilette.

 

Aber Hunger fängt irgendwann an zu schmerzen. Er lässt sich nicht ignorieren.

 

So bestand mein Alltag aus dem Spiel zwischen Hunger ertragen und Essen fürchten.

 

Als wir uns später unseren Hund anschafften und klar war, dass ich viel raus in die Natur musste, habe ich Panik bekommen. Was wenn die Bauchschmerzattacken mit samt ihren Auswirkungen mich in der Natur überfallen?

 

Meine Strategie war einfach. Ich habe all die Dinge, die außerhalb meiner Wohnung stattfanden immer nüchtern und vor dem Essen erledigt. Egal, ob das morgens oder mittags war. Länger habe ich den Hunger allerdings nicht ausgehalten, und dann in der Not gerade so viel gegessen, dass ich wieder eine Zeit lang über die Runden kam.

 

Essen war komplett negativ behaftet.

 

Ich habe Essen nicht zugetraut, dass es mir gut tun kann, sondern habe immer gerade so viel gegessen, dass mein Hungergefühl weg war.

 

Die Quittung bekam ich mit Kreislaufproblemen und Schwächeanfällen.

 

Bauchschmerzen und Durchfall gingen davon aber auch nicht weg.

 

Deshalb war klar, dass es so nicht weitergehen konnte.

 

Eine damalige Arbeitskollegin war Ernährungsberaterin nach Otto Brucker. Ihr Schwerpunkt lag also auf Rohkost und Vollkornprodukten. Ich habe die Bücher von Herrn Brucker verschlungen und alles war für mich so schlüssig, dass ich entschied, diesen Weg zu versuchen.

 

Nach einer Woche schlimmster Bauchschmerzen und Durchfällen gab ich auf.

 

Heute weiß ich, warum diese Ernährungsform mir nicht geholfen hat.

 

Ich erkläre es dir. 

 

Aus diesem Grund setze ich meine TCM-Brille auf und beschreibe dir, wie Verdauung aus Sicht der alten Chinesen funktioniert, und was du tun kannst, damit du deinen Körper gut dabei unterstützen kannst. 

 

In der TCM spricht man bei einem schwachen Verdauungssystem von einer Milz-Qi-Schwäche. 

 


7 körperliche Symptome, die auf eine Milz-Qi-Schwäche deuten

  1. Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  2. Allergien
  3. Verdauungsprobleme: Durchfall, häufige Stuhlgänge, unverdaute Nahrung, breiiger Stuhl
  4. Müdigkeit nach dem Essen
  5. Blähungen
  6. Konzentrationsprobleme
  7. Heißhunger auf Süß 

Wenn du diese körperlichen Symptome zumindest teilweise oder zeitweise kennst, dann möchte ich dir ein paar grundsätzliche Tipps mit auf den Weg geben, die dir helfen, wieder etwas mehr auf die Spur zu kommen. 

 

Diagnose Reizdarm: 10 Dinge, die du für dich tun kannst.


1. Iss so oft wie möglich warm.

Giulia Enders drückt es in ihrem Buch "Darm mit Charme" treffend aus: „Kochen erspart uns also die ganze erste Ladung „Entfaltungsenergie“, die ansonsten der Magen dafür aufbringen müsste, und ist damit der outgesourcte Teil unseres Verdauungsgeschäfts.“

 

In der TCM gibt es das Bild eines Kochtopfs, der sinnbildlich für deine Verdauungskraft steht. Der Topf steht auf dem offenen Feuer und eine warme, energiespendende „Verdauungssuppe“ brodelt fleißig vor sich hin.

 

Solange du warme Zutaten in den Topf gibst, bedarf es keiner weiteren Energie, um die Temperatur der Suppe zu halten. Kalte Zutaten reduzieren die Wärme und es ist neue Energie nötig, um die Suppe wieder zu erwärmen. Diese Energie muss unterm Strich schon mal als Vorauszahlung auf die, durch die Nahrung zu gewinnende Energie, geleistet werden. Einfach gesagt: Es springt weniger Energie für dich dabei heraus. Es macht also durchaus Sinn, den Herd in deiner Küche als Hilfsarbeiter einzuspannen und deinem Körper so Arbeit abzunehmen. 

 

2. Verzichte auf Rohkost und kühlende Nahrungsmittel.

Bei der Milz-Qi-Schwäche brennt das Verdauungsfeuer eher spärlich vor sich hin. Wenn du dir jetzt nochmal den Suppentopf anschaust, dann kannst du dir vorstellen, dass es mit einem spärlichen Feuer schwerer ist, ihn warm zu halten. Rohes Obst und Gemüse, durchaus gute Zutaten, würden jetzt also noch deutlich mehr die Suppe herunterkühlen. Aber auch Lebensmittel, die von Natur aus kalt sind. In der TCM sind das z.B. Milchprodukte, Zucker und Zitrusfrüchte.

 

Was frühstückst du?

 

Joghurt mit Obst? Müsli (Fertigmüslis haben in der Regel einen sehr hohen Zuckeranteil) mit Milch? Schau mal mit den Augen der TCM darauf, dann siehst du, dass das alles Kombinationen von kalten Lebensmitteln sind. 

 

Das ist die Löschmannschaft für dein Verdauungsfeuer. 

 

Heiße und kalte Nahrungsmittel? Du möchtest darüber mehr wissen? Dann abonniere meinen Newsletter und hole dir meine PDF " Kleiner TCM Nahrungsmittelwegweiser".

 

Kalte Nahrungsmittel kühlen ab. 

 

Sie reduzieren die Kraft deines Verdauungsfeuers und lassen dich schneller frieren. 

 

Warme Nahrungsmittel unterstützen dein Verdauungsfeuer und sorgen für eine angenehme Körpertemperatur. 

 

Auf diese Weise erhält dein Körper die höchst mögliche Energie. 

Bildquelle:Anja Orywol


3. Starte mit einem warmen Frühstück.

In der TCM werden den verschiedenen Organen Maximal- und Minimalzeiten zugeordnet. Also Zeiten zu denen sie entweder Höchstleistung erbringen oder mehr oder weniger ruhen.

 

Die Organe, die an der Verdauung beteiligt sind, haben in den Morgenstunden ihre größte Kraft. Wenn du diese Kraft durch ein gutes, warmes Frühstück ausschöpfst, dann erhält dein Körper die volle Unterstützung. Auch mittags ist die Verdauungskraft noch gut, Richtung Abend lässt sie aber deutlich nach. Um diese Tageszeit sollten die Mahlzeiten nicht mehr opulent und schwer verdaulich sein.

 

Wenn du zwischen den Mahlzeiten ca. 3-4 Stunden nichts isst, dann bleibt deinem Körper genug Gelegenheit zu verarbeiten und zu verdauen.  Er wird sich an diese Regelmäßigkeit gewöhnen und sich wieder erholen.

 

Solltest du zwischen den Mahlzeiten sehr von Hunger geplagt sein, oder größere Portionen nicht vertragen, dann nimm lieber mehrere kleinere Portionen über den Tag verteilt zu dir. Aber versuche auch hier, eine gewisse Regelmäßigkeit einzuführen. 

 

4. Kaue intensiv und schlinge nicht.

Beim Kauen werden schon im Mund Enzyme freigesetzt, die deinem Körper bei der Verdauung helfen.

Im Mund startet bereits die Verdauung und je besser du deine Nahrung zerkleinerst, desto weniger muss das dein geschwächtes Verdauungsfeuer tun.

 

Wenn du deine Mahlzeit herunter schlingst, dann ergibt sich auch noch ein anderes Problem. Das Sättigungsgefühl setzt erst nach ca. 20 Minuten ein. Wenn du bis dahin schon zwei Teller verdrückt hast, dann isst du vielleicht mehr, als dein Körper braucht und verdauen kann. Lass dir Zeit und finde wieder das richtige Maß. Die Milz-Qi-Schwäche kann auch einfach dadurch entstehen, dass dein Körper ständig Überstunden schieben muss. 

 

5. Tausche Brotmahlzeiten öfters mal aus.

Brot gilt in der TCM als befeuchtend.

 

Symptome wie Durchfall und breiiger Stuhl weisen auf Feuchtigkeit hin.

 

Übergewicht ist auch ein Ausdruck von Feuchtigkeit.

 

Was Feuchtigkeit ist? In der TCM wird Feuchtigkeit TAN genannt. Gemeint ist eine Art unverdaulicher Schleim, im westlichen beschreibt der Begriff Schlacken diesen Zustand am besten.

 

Du hast bestimmt schon mal hört, dass jemand verschlackt ist.

 

Brot ist in unserer Ernährung so selbstverständlich, dass es schwer fällt, es eine Weile vom Speiseplan zu streichen. Wenn du dir das so gar nicht vorstellen kannst, dann toaste dein Brot. Das nimmt ein wenig von der befeuchtenden Wirkung.

 

Tatsächlich ist mir persönlich das im Endeffekt gar nicht so schwer gefallen, denn bei drei warmen Mahlzeiten am - und ja, ich esse 3x am Tag warm, auch heute noch ;) - ist eh kein Raum für Brot. Und damit entfällt auch die Frage nach dem Belag. Denn das obligatorische Käsebrot legt dem geschwächten Verdauungssystem zusätzlich Steine in den Weg. 

 

6. Iss in einer ruhigen Umgebung.

In der TCM sind Milz und Magen, beide gehören zum Erd-Element, für die Verdauung zuständig.

Verdaut werden müssen auch Emotionen und Eindrücke.

 

Wenn du während einer gemeinsamen Mahlzeit mit deinen Tischnachbarn streitest oder Problemgespräche führst, dann geht ein Teil deiner Verdauungsenergie in die Verarbeitung eben dieser Emotionen.

 

Diese Energie steht für die Verdauung deiner Mahlzeit dann nicht mehr zur Verfügung.

 

Dieser ganzheitliche Ansatz der TCM erklärt, warum du in überfüllten Kantinen oder im Gespräch zwischen Tür und Angel, zwischen zwei Terminen oder vor dem Fernseher aus deiner Nahrung nicht die volle Ladung schöpfen kannst und sich bei dir das wohlige Sättigungsgefühl nicht einstellt. Stattdessen fühlst du dich eher aufgebläht, voll und du wirst müde. 

 

7. Koche einfache Gerichte mit frischen Zutaten.

Frisches Gemüse, gekochtes Getreide und ein gutes Eiweiß bilden die Basis einer guten Mahlzeit.

 

Gemüsesorten die kompakt und /oder rund sind, wärmen den kalten Bauch. 

Dazu gehören z.B. 

Karotten

Pastinaken

Kürbis

Kartoffeln

 

Besonders hilfreich ist es, wenn du das Gemüse lange kochst oder im Backofen schmorst. Es wird auf diese Art noch bekömmlicher. Welche Zubereitungsarten wie wirken, findest du auch in meiner PDF  " Kleiner TCM Nahrungsmittelwegweiser".

 

8. Meide Fertiggerichte.

In Fertiggerichten sind in der Regel sehr viele Zutaten, die sowohl Farbe, Haltbarkeit und Geschmacksempfinden beeinflussen. Mit anderen Worten, Zutaten, die gewöhnlich nicht unbedingt auf deinen Teller gehören.

 

Je länger die Zutatenliste eines Fertiggerichtes oder eines Fertigproduktes ist, desto mehr Arbeit hat dein Körper, um diese zu verstoffwechseln.

 

Viele der Zutaten reizen deinen Darm und überfordern ihn zusätzlich. 

 

9. Vermeide extreme Nahrungsmittel.

Scharfe Gewürze, wie Chili, Pfeffer, Knoblauch oder Curry haben eine erhitzende Wirkung und reizen durch ihr Extrem ebenfalls den Darm.

 

Kaffee regt die Verdauung sehr stark an und wenn du zu Durchfällen oder breiigen Stühlen neigst, dann teste, ob es dir hilft, Kaffee wegzulassen oder zu reduzieren.

 

Frittiertes und Fettiges befeuchtet sehr stark und ist für dein geschwächtes Verdauungssystem eine harte Nuss. 

 

10. Darmflora aufbauen.

Durch starke Durchfälle, wiederholte Magen-Darm-Infekte oder Antibiotika-Behandlungen wird die Darmflora gestört.

 

Eine gestörte Darmflora kann auch die Ursache für ein schwaches Immunsystem sein.

 

Ich habe mich seinerzeit von einem Heilpraktiker beraten lassen, und ein entsprechendes Mittel zum Aufbau einer gesunden Darmflora unterstützend zur Ernährungsumstellung eingenommen.

 

Wenn dich das interessiert, dann sprich bitte mit deinem Arzt oder Heilpraktiker.

 

Es gibt verschiedene Mittel und über Wirksamkeit und Sinn gibt es viele Diskussionen. Meine Erfahrungen sind auch nicht alle positiv. 

 

Deshalb: Vorsicht! In vielen Produkten stecken Stoffe und Zutaten, die Reizdarmpatienten nicht gut vertragen. So beinhalten Präbiotika (Das sind nicht verdauliche, fermentierbare Stoffe, die zur Stimulation der guten Darmbakterien dienen - man könnte auch sagen: Das ist das Futter für die guten Darmbakterien) oftmals Inulin, Pektin und Fruktane. Ich persönlich habe das überhaupt nicht vertragen und sehr empfindlich darauf reagiert. 

 


Ich weiß, dass hört sich jetzt so an, als ob du von nun an nur noch verzichtest.

 

Tatsächlich ist bei einer starken Milz-Qi-Schwäche, so wie ich sie hatte, aber leider eine recht strenge Konsequenz nötig.

 

Allerdings nur über einen Zeitraum von ein paar Wochen. Zumindest solange, bis die Beschwerden mehr oder weniger zurückgegangen sind.

 

Danach kannst du Schritt für Schritt testen, welche Lebensmittel du verträgst und welche dich wieder aus dem Gleichgewicht werfen.

 

Teste dabei bitte nie mehrere Lebensmittel gleichzeitig, denn sonst weißt du hinterher nicht, welches die schlechte Reaktion ausgelöst hat.

 

Wenn du befürchtest, dass du in dieser Zeit nicht genügend Nährstoffe erhälst, dann bedenke, dass deine Ernährung nur so gut sein kann, wie der Darm in der Lage ist, diese anzunehmen und zu verarbeiten. Gerne kann ich dich auch während dieser Zeit coachen und dir zur Seite stehen. 

 

Ich kann heute nur sagen, dass ich mich unglaublich auf meine Mahlzeiten freue. Ich esse abwechslungsreich und mit großem Appetit. Ich experimentiere und genieße.

 

"Ich habe Essen nicht zugetraut, dass es mir gut tun kann" … und diesen Satz kann ich definitiv streichen. 

 

Was bringt deinen Bauch zum rumpeln?

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar. 

 

 

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